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Warum überhaupt nachhaltige Mode?

Warum überhaupt nachhaltige Mode?

Fast Fashion versus Slow Fashion – was ist was?

In der Mode lassen sich zwei gegensätzliche Linien erkennen:

  1. Die Slow Fashion alias nachhaltige fair & eco fashion und
  2. Ihr Gegenpol, die Fast Fashion alias herkömmliche Trendmode.

Fast Fashion

Mode ist immer in Bewegung und entwickelt sich ständig weiter. Fast wöchentlich kommen neue Trends auf, deren Verwirklichung Fashion-Begeisterte nachstreben. Schon kurz nach ihrer Präsentation auf den Fashion Weeks in Paris, London, New York, Berlin und Mailand kommen die neuen Trendteile in die Geschäfte, um dort spätestens im nächsten Jahr wieder aus dem Sortiment genommen zu werden. Kaum eine andere Branche erlebt so viele und häufige Produktneueinführungen wie die Mode. Die kurzlebigen Trendteile, die wir meist günstig und nur für kurze Zeit in den Geschäften kaufen können, werden auch als Fast Fashion bezeichnet. Eben weil sie genau so schnell, wie sie nach den Fashion Weeks in die Geschäfte, auch wieder verschwinden. Ebenso schnell werden solche Teile kurzfristig zu unseren Lieblingskleidungsstücken und geraten bald darauf irgendwo in unserem Schrank in Vergessenheit. Diese Schnelllebigkeit der Fast Fashion bringt viele Nachteile für die Produzenten, für unsere Umwelt – und nicht zuletzt auch für uns Verbraucher, die die Kleider tragen.

Slow Fashion

Als Gegenspieler zur Fast Fashion steht die Slow Fashion für zeitlose, hochwertige Mode, für Lieblingsteile, die man beinahe nie wieder aussortieren geschweige denn im Schrank vergessen wird. Für sie gilt: Weniger ist mehr! Slow Fashion wird in dem Bewusstsein gekauft, lieber ein paar hochwertige Kleidungsstücke zu besitzen, als tausende Billigprodukte. Slow Fashion zeichnet sich zudem auch meist durch eine ökologische Produktion der Rohstoffe, durch eine faire Bezahlung sowie gute Arbeitsbedingungen der Produzenten und manchmal durch wiederverwertbare bzw. bereits wiederverwertete Materialien aus. Es geht bei der Slow Fashion also um einen bewussteren Umgang mit der Herkunft und der Zukunft unserer Kleidung – vom Baumwollfeld, über die Schneider bis zum Recycling des Kleidungsstücks. Kurz gesagt: Slow Fashion ist fair und eco.

Folgen der rund 12 Kollektionswechsel jährlich

Da es das Ziel der Fast Fashion ist, durch möglichst schnell wechselnde Trends die größtmögliche Menge an Kleidung zu produzieren und zu verkaufen, bringen die herkömmlichen Modelabels im Schnitt 12 neue Kollektionen pro Jahr heraus. Das bedeutet eine Kollektion pro Monat. Aber brauchen wir wirklich jeden Monat neue Kleidung? Und wenn ja – sind wir wirklich auch mit den Auswirkungen unseres Kaufverhaltens einverstanden? Der Mensch ist Weltmeister im Verdrängen unangenehmer Informationen. Daher liegt es mir sehr am Herzen, mir und Euch hier noch einmal vor Augen zu führen, welche Auswirkungen die Fast Fashion global gesehen auf unsere Mitmenschen, unseren Planeten und nicht zuletzt auf uns selber hat:

Giftige Pestizide beim Rohstoffanbau

Die Apokalypse der Textilindustrie beginnt schon auf dem Baumwollfeld. Um die Ernte so ertragreich wie möglich zu machen, werden hochgiftige Pestizide und Insektizide auf den Äckern versprüht. Schon wenige Tropfen dieser Chemikalien können durch akute Vergiftungen einen erwachsenen Menschen töten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass es jährlich zu 25.000 akuten Vergiftungen und zu 20.000 Todesfällen durch Pestizide in der Landwirtschaft kommt. Fast ein Viertel aller weltweit eingesetzten Insektizide landet auf Baumwollfeldern und damit im Rohstoffanbau der Fashion Industrie. Für die Baumwoll-Menge eines einzelnen T-Shirts werden im Schnitt 150 Gramm Pestizide verwendet. Die Landwirte, die die Baumwolle für unsere Kleidung anbauen, leben meist in den ärmsten Ländern der Welt und haben dort seitens ihrer Regierungen keine Rechte auf einen ausreichenden Gesundheitsschutz. Das bedeutet, dass eine Besserung dieser gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen aktuell nicht in Sicht ist.
Neben der fatalen Auswirkung auf die Landwirte, ist auch die Zerstörung des Ökosystems durch den Einsatz der Pestizide nicht zu verachten. Die Gifte bringen nicht nur Schädlingen wie dem Baumwollwurm, sondern auch vielen wichtigen Tieren wie den Bienen und auch vielen Pflanzen den Tod. Durch Winde und Regen gelangen die Pestizide zudem in umliegende Gewässer und darüber ins Meer. Teilweise werden die Gifte bis ins Grundwasser getragen. Möchten wir das tatsächlich noch trinken?

Chemikalien in der Produktion und Rückstände in der Kleidung

Würde man sämtliche „Zutaten“ eines Kleidungsstück auf seinem Etikett auflisten, würde dies weit über Angaben wie „80% Baumwolle, 10% Polyester und 10% Elasthan“ hinausgehen. Die Vielfalt eingesetzter Chemikalien in der Produktion unserer Kleidungsstücke ist erschreckend. Die Ziele dieser Chemikalien sind weitreichend: Unsere Kleidung soll knallig bunt sein, glänzen, leuchten, ihre Farbe beibehalten und Schweißgeruch binden, sie darf weder einlaufen noch knittern, sie soll glatt, weich und möglicherweise auch wind- und regenfest sein. Ein Drittel aller Chemikalien weltweit wird für die Modeproduktion eingesetzt.
Die Probleme an dieser Chemikalienflut sind nicht gerade schwer zu erfassen: Die Substanzen sind gefährlich für unsere Umwelt und für den Menschen. So führen sie zu Vergiftungen der Arbeiter in den Textilfabriken. Doch auch noch im fertigen Kleidungsstück, das wir direkt auf unserer Haut tragen, finden sich noch Rückstände dieser Chemikalien. Die meisten der verwendeten Chemikalien waren nie für einen Hautkontakt vorgesehen und so kann es sein, dass sie krebserregend wirken, Allergien auslösen, unseren Hormonhaushalt stören. Ist die schöne Kleidung uns dieses Risiko wirklich wert?

Kleidung als Klimakiller

Auch wenn es einige einflussreiche Politiker gibt, die den Klimawandel leugnen, sagen die Zahlen der größten Umweltorganisationen doch etwas anderes aus. Einen nicht unerheblichen Teil dazu trägt auch die Fashion Industrie bei. Das kommt daher: Baumwollfelder benötigen extrem viel Wasser, die Weiterverarbeitung der Kleidung benötigt große Mengen Energie und jedes T-Shirt fliegt vor seinem Verkauf rund 18.000 Kilometer um die Welt. Die Produktion eines T-Shirts etwa sorgt so für 5-7 Kilogramm CO2 Emission. Das entspricht einer Autofahrt von ungefähr 30 Kilometern. Jeder Deutsche kauft pro Jahr im Schnitt 40-70 neue Kleidungsstücke. Wären das alles T-Shirts und nicht etwa noch klimafeindlichere, größere Kleidungsstücke, sorgt jeder einzelne von uns allein durch den Kauf der neuesten Trends für 200-490 Kilogramm CO2 Emission jährlich.

Produktionsbedingungen bei herkömmlichen Modelabels:
Hungerlöhne und Sklavenarbeit

Nehmen wir wieder das Beispiel eines Baumwoll-T-Shirts. Über die gefährlichen Pestizide beim Baumwoll-Anbau habe ich ja bereits geschrieben. Als nächstes muss die Baumwolle geerntet werden. Dies übernehmen – für Hungerlöhne – nicht nur Erwachsene, sondern oft auch Kinder. Allein in Usbekistan – dem zweitgrößten Baumwollexporteur der Welt – gehen jedes Jahr 450.000 Kinder auf die Baumwollplantagen und ernten bis zu 50 Kilogramm Baumwolle täglich.
Die Baumwolle gelangt über Spinnereien in die Textilfabriken, in denen die Fäden zu Stoffen verarbeitet, gefärbt und genäht werden. Auch hier arbeiten oft Kinder. Menschen schuften nächtelang durch, laufen barfuß durch giftige Farbe. Von den Löhnen kann niemand sich oder seine Familie ernähren. Bei einer Neuanstellung werden die ersten Löhne meist einbehalten, damit die Arbeiter nicht direkt wieder kündigen. Lügen sind zudem in den Textilfabriken gängige Praxis: Bei Besuchen der Fabriken durch Journalisten sind die Arbeiter angehalten, von viel besseren Arbeitsbedingungen zu berichten, als sie in der Realität erleben. Ein ehrlicher Bericht würde für die jeweiligen Angestellten eine Kündigung und somit noch mehr Hunger bedeuten.

Lügen der großen Unternehmen: Wir Verbraucher sind gefragt!

Aufgrund der wachsenden medialen Aufmerksamkeit auf das Thema Nachhaltigkeit in der Modebranche, haben sich nahezu alle großen Modeunternehmen selber Verhaltenskodexe auferlegt. Das ist allerdings nicht viel mehr als eine Mischung aus Marketing und nettem Versuch, denn die versprochenen Verbesserungen reichen einerseits nicht aus. Andererseits ist es natürlich auch sehr schwer, die lange Produktionskette zu überprüfen. Daher ist es für uns Verbraucher an der Zeit, nicht mehr nur mit dem Finger auf die großen Modelabels zu zeigen, sondern mit jeder Kaufentscheidung ein Zeichen zu setzen. Gute Alternativen gibt es genug. Faire und Eco Fashion ist längst aus ihrer Jutesack-Öko-Nische herausgekrochen und kann mittlerweile richtig schön sein! Dabei bietet sie viele Vorteile: Ein reines Gewissen gegenüber unseren Mitmenschen, gegenüber unserem Planeten und gegenüber unserem eigenen Körper.

Nachhaltige Mode funktioniert langsamer und selbstbewusster

Bei der Umstellung des eigenen Fashion-Konsumverhaltens auf nachhaltige Mode ist ein gewisses Umdenken gefragt. Essentieller Pfeiler der Slow Fashion ist es, seinen eigenen Stil zu finden und danach seine Käufe auszuwählen, anstatt immer der Mode hinterher zu rennen. Wenn Du Deinen eigenen Stil kennst, kannst Du davon ausgehen, dass Dir die Teile, die Du Dir kaufst, lange gefallen werden. Wenn Du gleichzeitig beim Kauf darauf achtest, auf gut verarbeitete Produkte zurückzugreifen – was die meisten Slow Fashion Kleider ohnehin sind – kannst Du zudem davon ausgehen, auch lange etwas von den Stücken zu haben. Bei der Slow Fashion geht es für uns Verbraucher letztendlich um das Prinzip, seltener und dafür bewusster Mode zu kaufen. Wenn Du Dir seltener mal etwas neues kaufst, kannst Du ja auch problemlos mal etwas mehr Geld für ein Teil in die Hand nehmen.

Fair Fashion – faire Arbeit

Ist Mode mit einem Siegel für faire Arbeitsbedingungen ausgestattet – z.B. Fairtrade oder Ökotex 1000 – signalisiert dies bessere Arbeitsbedingungen für die Menschen, die Dein Kleidungsstück gefertigt haben. Die Siegel überprüfen dabei die gesamte Produktionskette von der Baumwollplantage bis in die Nähfabrik. Den Menschen wird ein angemessener Lohn statt Hungerlohn gezahlt, humane Arbeitszeiten werden eingehalten gegen Kinderarbeit wird vorgegangen.

Bio Mode nutzt gesündere Materialien

Eco Fashion ist nicht nur für unsere Umwelt verträglicher, sondern Du tust auch Deinem Körper einen Gefallen damit. Denn die Chemikalienrückstände aus der Produktion herkömmlicher Mode können über unsere Haut in unseren Körper gelangen. Dort können sie sich absetzen und sogar schwere Krankheiten und Allergien auslösen. Es gibt zwei wesentliche Faktoren, die bei der Eco Fashion dazu führen, dass Dein Körper weniger giftigen Chemikalien ausgesetzt wird:

  1. Der ökologische Anbau von Rohstoffen neuer Mode und
  2. Die vorangegangene Abnutzungs- bzw. Entgiftungszeit der Vorgänger von Recycling- und Upcycling-Produkten.

Ökologischer Anbau der Rohstoffe

Nachhaltige Mode nutzt für ihre Materialien Rohstoffe aus ökologischer Produktion. Dabei wird auf die schädlichen Pestizide und Insektizide verzichtet. Auch bei der Weiterverarbeitung der Produkte sind der Bio-Mode die Nutzung von biologischen Farben und der Verzicht auf bestimmte giftige Chemikalien vorgeschrieben. Davon profitiert nicht nur unser Planet: Für die Produzenten bedeutet das weniger Gefahren bei ihrer Arbeit und für uns Verbraucher bedeutet das weniger Gesundheitsrisiken durch Chemikalienrückstände in unserer Kleidung.

Rückstände von Chemikalien bei Re- und Upcycling längst rausgewaschen

Eco Fashion lässt sich nicht auf Mode aus ökologischen Rohstoffen reduzieren. Stattdessen stellen viele nachhaltige Modelabels ihre Kleidung aus recycelten oder upgecycelten Materialien her. Dabei bekommen die verwendeten Stoffe ein neues Leben geschenkt. Da der größte Teil unserer Mode jedoch nicht aus ökologischen Rohstoffen gefertigt ist, kann beim Recycling und Upcycling nicht ausschließlich auf ökologische Produkte zurückgegriffen werden. Ein Kleidungsstück aus recycelter Baumwollfaser muss daher nicht unbedingt ohne giftige Chemikalien gefärbt worden sein, um von einem Eco Fashionlabel zu Deinem neuen Lieblingsteil recycelt zu werden. Das Gute ist jedoch: Bei Recycling- und Upcycling-Produkten wurden die chemischen Rückstände aus der Produktion schon längst herausgespült – durch die Nutzung in ihrem „ersten Leben“ als herkömmliche Kleidung. Dabei haben die Kleidungsstücke viele Wäschen und Regengüsse erfahren, ihre Chemikalien ans Wasser und auch an die Luft abgegeben.

Nachhaltige Kleidung ist langlebiger

Abgesehen davon, dass bewusst gekaufte Kleidung ein längeres Leben erwarten kann, wird bei der Auswahl der Materialien für Fair & Eco Fashion auch sehr auf Wiederverwertung und Wiederverwertbarkeit geachtet. Die wichtigsten Begriffe erkläre ich jetzt:

Recycling

Recycling bezeichnet die Wiederverwertung bereits verwendeter Materialien. So können zum einen nicht mehr tragbare Kleidungsstücke recycelt werden, wobei diese zunächst in ihre einzelnen Materialien (z.B. Baumwolle und Polyester) getrennt werden müssen. Zum anderen kann aber auch eine Textilfaser aus anderen Gegenständen hergestellt werden, bei denen zunächst niemand an Kleidung denken würde: Beispielsweise können PET-Flaschen eingeschmolzen werden und daraus eine Polyester-Textilfaser hergestellt werden. Ein schönes Beispiel für hübsches und gelungenes Recycling sind die Sneaker von Veja, die als Obermaterial teilweise recycelte PET-Flaschen und teilweise recycelte Baumwollfasern nutzen.

Upcycling

Beim Upcycling werden nicht mehr brauchbare Dinge – z.B. Stoffreste, alte Kleidung, LKW-Planen, Autoreifen und sogar Tetrapacks – zu neuen, hochwertigen Produkten verarbeitet. Der Unterschied zum Recycling liegt darin, dass die verwendeten Materialien nicht zunächst in ihre Bestandteile zerlegt werden müssen, bevor sie neu verwertet werden können. Ein bekanntes Beispiel für gelungenes Upcycling sind z.B. die schönen Taschen aus LKW-Planen von Freitag.

Cradle to Cradle

Der Begriff „Cradle to Cradle“ steht für den Gedanken „Von der Wiege bis zur Wiege“. Das Prinzip von Cradle to Cradle ist der Versuch, Produkte von Anfang an so biologisch zu produzieren, dass sie zu 100% recycelbar sind – ohne aufwändige Materialtrennung. Das ganze Produkt soll so wie es ist direkt wiederverwertbar sein. Vorreiter auf diesem Gebiet ist derzeit das Modelabel Trigema . Dieses hat eine komplette Cradle to Cradle Kollektion herausgebracht – die Change Kollektion. Leider beschränkt sich ihre Mode bisher auf nicht besonders hippe Jogginghosen, Nacht- und Unterwäsche. Der Ansatz ist trotzdem super!



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