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Banana Island – Ein Selbstversuch

Banana Island – Ein Selbstversuch

Finde den richtigen Partner für Deine Bananen-Diät

Als vor einigen Jahren meine Mitbewohnerin Anna ihr Zimmer für vier Monate untervermieten wollte, passierte etwas unglaubliches:

Wir wollten gerade ein Inserat ins Internet setzen, da klingelte es an unserer Tür. Durch die Gegensprechanlage fragte mich ein junger Mann, ob ich wisse, welche Wohnung in unserem Haus denn zu vermieten sei. Er sei zu spät zum Besichtigungstermin gekommen und wisse nun auch nicht, wo er klingeln solle. „Keine Ahnung, tut mir Leid.“ erwiderte ich ihm und ging zurück zu meiner Mitbewohnerin. Keine zwei Minuten später klingelte es wieder. Diesmal stand der junge Mann von eben mit dem Hausmeister vor der Tür. Ob wir wohl die Handynummer der Vermieterin hätten? Der junge Mann stellte sich uns als Mohammad vor, kam in unsere Wohnung und setzte sich zu uns in die Küche. Während ich nach der Handynummer unserer Vermieterin suchte, unterhielt sich Anna mit Mohammad. Es stellte sich heraus, dass er sich auf eine Wohnung in unserem Haus für exakt die vier Monate bewerben wollte, in denen Anna vorhatte zu verreisen. „Wenn Du möchtest, zieh gerne bei uns ein“. So lernte ich Mohammad kennen. Schon nach kurzer Zeit nannte ich ihn nur noch Momo. Er ist so ziemlich das Gegenteil von mir: Er macht jeden Tag Sport und isst dabei kiloweise Hähnchen und Magerquark, raucht wie ein Schlot, säuft wie ein Fass. Gegensätze ziehen sich aber an – und so wurden Momo und ich nicht nur Mitbewohner, sondern auch ziemlich gute Freunde.

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Finde den Mut dazu, Dich nur noch von Bananen zu ernähren

Eines Tages besuchte uns ein guter Freund von mir, der sich schon seit Jahren 80:10:10-konform ernährt. Dieser Zahlencode steht für: 80% Kohlenhydrate, 10% Fett und 10% Eiweiß. Du ernährst Dich praktisch nur von Bananen, Datteln, anderem süßen Obst, Kartoffeln, Reis… Eine ganz spezielle Form der 80:10:10 Diät ist „Banana Island“, wobei man nur Bananen isst. Eine ziemlich verrückte Idee! Aber was soll das bringen? Angeblich soll der Körper durch eine Monodiät viel leichter und schneller entgiften, da die Verdauung deutlich unkomplizierter sei – dieses Argument überzeugte mich. Momo war sofort begeistert, als er hörte, dass man mit einer fast puren Kohlenhydrat-Ernährung ganz schnell Kraft und Muskeln aufbauen könne. „Mia, wenn Du mitmachst, zieh ich das durch!“ – alles klar, am nächsten Tag bestellten wir beim Gemüsemann um die Ecke drei Kisten Bananen. Wie der uns ansah! Ich glaube, der Händler dachte, wir hätten vor, uns nur noch von Bananen zu ernähren. Na genau genommen hatten wir das ja auch vor. Als die Bananenkisten ein paar Tage später ankamen, schleppten wir sie hoch in unsere Wohnung im dritten Stock. Wir waren vorher gewarnt worden, die Bananen nicht zu essen, solange sie noch grün seien. Weil wir aber beide total ungeduldig waren, fingen wir trotzdem direkt an. Vorgenommen hatten wir uns, ab jetzt eine Woche lang nur Bananen zu essen – morgens, mittags, abends, als Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise und Snack. Um mit ausreichend Kalorien und Nährstoffen versorgt zu werden, sind 25-30 Bananen am Tag nötig. Wir hatten beide schließlich nicht vor, Gewicht zu verlieren und Momo wollte ja sogar Muskelmasse während der Banana Island Diät aufbauen. Ich nahm mir also 25 Bananen täglich vor und Momo 30.

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Übe Dich in Selbstbeherrschung…

Wir begannen zunächst, die Bananen ganz klassisch am Stück aus ihrer Schale zu essen. Schon nach den ersten vier Bananen zum Frühstück konnte ich sie in dieser Form nicht mehr sehen. Momo und ich wurden also kreativ: Wir schnitten sie in Stücke und aßen sie wie Obstspieße. Ebenfalls in Stückchen legten wir sie in den Froster, um sie später zu pürieren und wie Eis zu essen. Mit Wasser püriert haben wir die Bananen auch als Smoothie getrunken. Trotz dieser „Abwechslung“ wurde es für mich jeden Tag schwerer, weiter nur Bananen zu essen. Momo fiel das ganze leichter, vielleicht weil er bei sowas einfach willensstärker ist als ich. Er schaffte es jedenfalls, sich eine ganze Woche lang nur von Bananen zu ernähren. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich am vierten Tag schon wieder andere Kohkost nebenher aß. Aber was war denn nun das Resultat unserer Banana Island Diät? Momo fühlte sich stärker als je zuvor. Am dritten Tag von Banana Island kam er zu mir und erzählte stolz, dass er sich heute im Fitnessstudio wie Superman gefühlt habe. Er präsentierte mir seinen durchtrainierten Oberkörper und meinte, er habe heute viel schwerere Gewichte gestemmt als in den letzten Wochen. Mich hingegen hat die ewige Bananenesserei ja bereits nach vier Tagen so genervt, dass ich begann, auch andere Rohkost zu essen. Mein Fazit: Ich denke, ob Banana Island etwas für Dich ist, musst Du selbst ausprobieren. Für mich war es einfach viel zu einseitig und anstrengend. In den Wochen nach Banana Island konnte ich gar keine Bananen mehr sehen – das ging Momo allerdings anders. Er hat die Diät ja bis zum Schluss knallhart durchgezogen und große Fitness-Erfolge verzeichnet. Wiederholen möchte auch er Banana Island trotzdem nicht. Problematisch war die Lagerung der Bananen. Wegen des entstehenden Mengenrabatts haben wir ja direkt mehrere Kisten auf einmal gekauft. So lange die Bananen noch grün sind, gibt es auch keine anstrengenden Gerüche – sobald die Bananen jedoch beginnen, gelb und schließlich braun zu werden, duften sie extrem stark. Nach einer Weile roch die gesamte Wohnung bis ins Treppenhaus hinein nach Bananen. Für geruchssensible Menschen ist Banana Island daher definitiv nichts!



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